Jugend für Menschenrechte
Aktionen


20 Minuten
Markus Fleischli, Reporter
Thurgauerstr. 40
8050 Z ü r i c h

Zürich, 9. September 2001




Ihr Artikel vom 6.9.01
"Sekte auf Mitgliederfang"



Sehr geehrter Herr Fleischli

Immer wenn meine Kinder nach Hause kommen und sich beklagen, dass es in der Schule Probleme gibt wegen unserer Religionszugehörigkeit, dann fühle ich mich motiviert, zu schreiben. Ihr Artikel hat natürlich wieder solche Probleme angefacht und Argwohn und Abscheu unter Mitschülern, Bekannten und Verwandten heraufbeschworen. Denn, nur schon beim Wort "Sekte" geraten alle aus dem Häuschen und verlieren ihre wohlgemeinten Grundsätze betr. Toleranz und Respekt.

Obwohl ein Tropfen auf einen heissen Stein, tut es gut, wenn Sie die folgende Informationen aufnehmen und Sie sich das sorgfältig anschauen:

Der Gebrauch des Sektenbegriffes wird auch von Religionswissenschaftern als sehr problematisch betrachtet: "Es ist leider festzustellen, dass dieser immer üblicher werdende Sprachgebrauch, der die anerkannten klassischen Definitionen missachtet, in der öffentlichen Meinung zu Verallgemeinerungen und Vermischungen führt, die der Toleranz und der Achtung der Religionsfreiheit schaden. Das Wort (Sekte) hat heute einen negativen, diskriminierenden Beiklang bekommen, es schwingen implizit Anschuldigungen mit, ohne dass der Gegenstand jedoch jemals definiert wurde" (aus Gewissen und Freiheit Nr. 53)

In Ihrem Artikel machen Sie unter anderem folgende schwerwiegende Anschuldigung "denn (Religionsgemeinschaft) ist eine gefährliche Psychoorganisation" (wenn auch zitiert), bei welcher Sie die Ansicht des Pressesprechers der Scientology Kirche hätten anfragen müssen. Es handelt sich hier nämlich um einen massiven Vorwurf einer Person, deren amtliche Aufgabe es ist, Propaganda gegen neue religiöse Bewegungen zu betreiben. So fragt es sich, für wen oder was sollten wir gefährlich sein.

Als Angehörige der Scientology Religion sind wir es uns schon fast gewohnt, als sektiererische und daher als abartige Menschen abqualifiziert zu werden. Aber wie sie sich bestimmt vorstellen können, gestaltet sich das Leben als abgestempelter keineswegs einfach. Vor allem wenn unsere Kinder davon betroffen werden.

Sie haben daher sicher Verständnis, dass wir uns nicht an die "Sekten Hetze" gewöhnen dürfen und uns stets gegen Ungerechtigkeit und gegen den überbordenden und angestachelten Hass wehren müssen.

Mit Ihrem "Sekten-Artikel" haben sie nämlich erneut Oel in dieses Hass-Feuer geworfen und die Vorurteile in der Bevölkerung gegenüber andersdenkende Menschen angefacht. Sicher machen Sie das nicht notwendigerweise in voller Absicht. Daher erhalten Sie ja auch diesen Brief.

Es ist wichtig, dass Sie sich eine Vorstellung machen können, was auf der anderen Seite passiert, wenn Sie Schrott veröffentlichen. Vor allem ist höchste Vorsicht angebracht, wenn Sie sich dabei ertappen zu glauben, dass es völlig in Ordnung ist, auf Menschen herumzutrampeln und sie als "gefährlich" hinzustellen, nur weil sie sich einer Religionsgemeinschaft angeschlossen haben, die man heute in den Medien als "Sekten" abqualifiziert.

Wenn Sie klare Vorwürfe gegen Scientologen haben, oder irgend etwas nicht ok ist, unverständlich ist, oder wenn etwas im Zusammenhang mit unserer Religionsgemeinschaft etwas geschieht, was wirklich nicht sein sollte, irgendein Fehlverhalten, so berichten Sie das an Aktion-Dialog. Wir sind für das da. Wir können Dinge in Ordnung bringen, Sachen hinterfragen und abklären.

Auf alle Fälle jedoch, wäre das Reinigen der Strasse keine Schweinerei gewesen. Die Schweinerei beginnt dort, wo "Sektenjäger" der Amtskirchen einfach in allen Aktivitäten der "verhassten Ferngesteuerten" das Negative und Verwerfliche sehen.

Wie auch immer. Letztes Jahr haben wir beim Schweizerischen Presserat eine Beschwerde gegen den Tagesanzeiger geführt. Anbei ein paar Auszüge aus dem Urteil, dass auch für Sie von Interesse ist, vor allem, dass man Betroffenen aus religiösen Bewegungen mehr Gehör schenken soll und sich nicht immer nur anhand der vom Staat finanzierten "Sektenjäger" orientieren soll:
  • "Umso wichtiger erscheint unter diesen Voraussetzungen aber die Respektierung des Prinzips des "audiatur et altera pars", wonach den Betroffenen Gelegenheit zu geben ist, sich vor der Publikation eines Medienbeitrags zu schweren Vorwürfen zu äussern."

  • "Unter solchen Umständen erscheint es besonders wichtig, dass auch die Kritisierten angemessen zu Wort kommen"

  • "Unter diesem Gesichtspunkt erscheint, dass angesichts der darin erhobenen schweren Vorwürfe im Artikel, ....der Position von [Religionsgemeinschaft] eingeräumten Platz als ungenügend."
  • "Die Pflicht zur Anhörung der Gegenseite bei schweren Vorwürfen ist u.a. auch eine Frage der Fairness"

  • "Zudem liegt es auch im Interesse des Publikums, nach Möglichkeit nicht nur generell zu erfahren, ob der Betroffene einen Vorwurf dementiert, sondern auch was er inhaltlich dazu zu sagen hat"

"Die sechs Totfeinde des Journalisten sind Häme, Respektlosigkeit, Unehrlichkeit, Voreingenommenheit, Freudlosigkeit und das Fehlen von Anstand".
(M.Ringier aus Aufgabe und Verantwortung der Presse)


Es geht mir nicht darum, Fehlverhalten irgendwelcher Gruppierungen oder innerhalb unserer eigenen Religionsgemeinschaft zu rechtfertigen.

Das Anliegen ist viel mehr, dass jede Person die Freiheit haben sollte, sich für einen Glauben zu entscheiden, ohne mit einem "Sekten-Stempel" diskriminiert zu werden. Berechtigte Vorwürfe müssen mit den Gruppen direkt besprochen und bereinigt werden.

Gerne erwarte ich Ihre Stellungnahme.



Mit freundlichen Grüssen

www.aktion-dialog.ch






geht an

- Observatoire Religions, Lausanne
- Schweizer Zentrum für Toleranz, Zürich
- EDI; Eidg.Kommission gegen Rassismus
- Rechtsabteilung 20 Minuten
- Redaktionsleitung 20 Minuten
- Pfr. Schmid, Greifensee



Die Initiative "Aktion-Dialog"

versteht sich als ein privates Forum von Angehörigen der Scientology Religion. Wir möchten für unsere Religionsgemeinschaft und unseren Glauben einstehen (siehe Glaubensbekenntnis der Scientology Kirche auf unserer Home Page), unsere Rechte verteidigen und uns vor Diskriminierung, Ausgrenzung, Isolation, Provokation und Blossstellung (u.a. durch den Begriff "Sekte" und den damit verbundenen Attributen), schützen. Scientology ist eine in verschiedenen Ländern anerkannte gemeinnützige Religionsgemeinschaft, u.a. in den USA, Schweden, Australien, Italien, Südafrika.

Die Mitglieder von Aktion-Dialog verfügen über eine langjährige Erfahrung mit der Philosphie, Theologie und Anwendung der Scientology-Lehre. Aktion-Dialog ist nicht Teil der Scientology Kirche und handelt auch nicht in deren Auftrag. Ich selber habe mich intensiv mit der Kontroverse, den Kritikern und deren Vorwürfen an unsere Gemeinschaft auseinandergesetzt.





Copyright ©2005 by International Foundation for Human Rights and Tolerance. All Rights Reserved. Trademark Information