Jugend für Menschenrechte
Aktionen


S10.04.2001 : Abmahnung an Tamedia AG wegen Kolportage *)

*) Kolportage : Literarisch minderwertiger, auf billige Wirkung abzielender Bericht. (Duden)

Tamedia AG
Das Magazin
Redaktion
Postfach
8021 Zürich


Zürich, 10. April 2001

TAM Nr. 13:
Ihre Kolportage gegen die Scientology Religion



Sehr geehrter Herr Köppel

Sehr geehrter Herr Strehle

Die Herren Salzbrei und Baker

Die Initiative "Aktion Dialog" versteht sich als ein Forum von Angehörigen der Scientology Religion. Wir möchten für unsere Religionsgemeinschaft und unseren Glauben einstehen, unsere Rechte verteidigen und uns vor Diskriminierung, Ausgrenzung, Isolation, Provokation und Blossstellung (u.a. durch den Begriff "Sekte" und den damit verbundenen Attributen), schützen. Scientology ist eine in verschiedenen Ländern anerkannte gemeinnützige Religionsgemeinschaft, u.a. in den USA, Schweden, Australien, Südafrika.

Die Mitglieder von Aktion Dialog verfügen über eine langjährige Erfahrung mit der religiösen Philosophie und der Anwendung der Scientology-Lehre. Wir sind aber auch vertraut mit der Kontroverse und den Kritikern im Zusammenhang mit unserer Gemeinschaft.

In unserer Beschwerde an den Schweizerischen Presserat gegen den Tages-Anzeiger (vom letzten Jahr) haben wir uns über die einseitige und absolut extreme Haltung des TA gegen unsere Religionsgemeinschaft beklagt. Der Presserat bezog Stellung, indem er befand, dass gegen eine einseitige Berichterstattung aus der Berufsethik für Journalisten eigentlich nichts einzuwenden sei: "dass aus der Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalisten keine Pflicht zu objektiver Berichterstattung abgeleitet werden kann und dass auch einseitige und parteiergreifende Medienberichterstattung mit den berufsethischen Grundsätzen vereinbar sei".

Der Presserat hat in seiner Stellungnahme vom 30. August 2000 aber ganz klar auch gesehen, dass man den Scientologen doch etwas mehr Gehör schenken soll:
  • "Umso wichtiger erscheint unter diesen Voraussetzungen aber die Respektierung des Prinzips des "audiatur et altera pars", wonach den Betroffenen Gelegenheit zu geben ist, sich vor der Publikation eines Medienbeitrags zu schweren Vorwürfen zu äussern."

  • "dass der Position von Scientology nur sehr beschränkter Raum überlassen worden ist"

  • "Unter solchen Umständen erscheint es besonders wichtig, dass auch die Kritisierten angemessen zu Wort kommen"

  • "Unter diesem Gesichtspunkt erscheint, dass angesichts der darin erhobenen schweren Vorwürfe im Artikel, ....der Position von Scientology eingeräumten Platz als ungenügend."

  • "Die Pflicht zur Anhörung der Gegenseite bei schweren Vorwürfen ist u.a. auch eine Frage der Fairness"

  • "Zudem liegt es auch im Interesse des Publikums, nach Möglichkeit nicht nur generell zu erfahren, ob der Betroffene einen Vorwurf dementiert, sondern auch was er inhaltlich dazu zu sagen hat"

Vor diesem Hintergrund schreiben wir Ihnen diesen Brief (Gegendarstellung), damit wir dieser seit über 20 Jahren andauernden, einseitigen und extrem kritischen Haltung Ihres Herausgebers und Ihrer Journalisten einen Hauch von Gegenwind geben können.

Wir haben die "Schreibkunst" der Herren Baker und Salzbrei genauer angeschaut und haben nun folgende Anmerkungen oder Fragen zu deren Äusserungen:

Brutale, intolerante Vorgehensweise gegen Kritiker

Wir sind echt fasziniert über diese Wahrnehmung der Autoren. Empfinden diese Leute doch, dass das Schreiben von Leserbriefen oder der Versuch sich gegen Schmierkampagnen zu wehren - eben brutal und intolerant sei. Mir kommt es vor wie bei der Inquisition - jeder Versuch, sich zu verteidigen, wird als belastendes Indiz gewertet. Die Autoren jedoch haben den ganzen Medienkonzern hinter sich, die ganze Auflage, und sind über das, was sie in diesem Artikel über die Leserschaft entleeren, niemandem Rechenschaft schuldig.

Der Gebrauch des Sektenbegriffes ("Promisekte") wird von Religionswissenschaftern als sehr problematisch betrachtet: "Es ist leider festzustellen, dass dieser immer üblicher werdende Sprachgebrauch, der die anerkannten klassischen Definitionen missachtet, in der öffentlichen Meinung zu Verallgemeinerungen und Vermischungen führt, die der Toleranz und der Achtung der Religionsfreiheit schaden. Das Wort (Sekte) hat heute einen negativen, diskriminierenden Beiklang bekommen, es schwingen implizit Anschuldigungen mit, ohne dass der Gegenstand jedoch jemals definiert wurde"
(aus Gewissen und Freiheit Nr. 53)

Woraus besteht die Absicht von Sensationsjournalisten, wenn sie den Begriff "Sekte" verwenden? Ganz klar: Ausgrenzung, Verhöhnung, Erniedrigung der Angehörigen dieser Minderheiten. Diese Verachtung, Geringschätzung und Aversion gegenüber andersdenkenden Menschen kommt auch bei der Verwendung der folgenden Begriffe mit unverschämter Deutlichkeit zum Ausdruck: "ordinäres scientologisches Fussvolk" oder die Bezeichnung unseres Religions-Stifters als "gottähnlicher Guru".

"Die sechs Totfeinde des Journalisten sind Häme, Respektlosigkeit, Unehrlichkeit, Voreingenommenheit, Freudlosigkeit und das Fehlen von Anstand".
M.Ringier aus Aufgabe und Verantwortung der Presse

Bei den folgenden Behauptungen der Autoren würden Sie uns einen Gefallen erweisen, wenn sie diese (aus authentischen Scientology Schriften) nachweisen und dokumentieren können:

  • die erklärte Botschaft des Gründers, dass wir die Nummer eins werden...
  • das man Promis einspannen sollte....
  • das Scientologen die "Sympathie" der Öffentlichkeit suchen müssen....
  • dass man 'frühere Leben' abschütteln müsse....
  • dass man in den Besitz annähernd gottgleicher Kräfte gelangen könne...
  • dass irgendwelche Heilsversprechen gemacht werden...
  • irgend etwas über 'Rituale' oder 'Therapien' ....
  • über die Verwendung eines 'Lügendetektors' ?

Weiter geht’s mit fantasievollen Behauptungen:

Es gäbe in der Scientology unumstössliche Dogmen. Auf unserer home-page [www.aktion-dialog.ch] können Sie den Artikel über 'Integrität' nachlesen: "nichts in Scientology und Dianetik ist für Sie wahr, sofern Sie es nicht beobachtet haben..." Das heisst, die Person soll ihre eigenen Beobachtungen machen und ihre eigenen Schlussfolgerungen aus dem, was sie liest und was sie erfährt, machen (so ziemlich das genaue Gegenteil der obigen Behauptung).

Die Haltung der Scientologen zu anderen Religionsgemeinschaften ist u.a. in der Broschüre 'der Weg zum Glücklichsein' gut beschrieben: ''Respektieren Sie die religiösen Überzeugungen anderer'' - oder im Artikel ''der Einfluss der Religion in der Gesellschaft'' nachzulesen auf unserer home-page. Können Sie aus authentischen Scientology-Schriften irgend etwas herleiten, wo andere Religionsgemeinschaften verhöhnt oder abqualifiziert würden ?.... oder haben wir da rein zufällig die des Autoren Russ Baker private und persönliche 'Gesinnung' offengelegt....

"Scientology ist ein funktionierendes System. Das heisst nicht, dass sie das bestmögliche oder ein perfektes System ist...."
L. Ron Hubbard

Die Autoren haben sich auch den hohen Begriff der 'Kosmologie' angelacht; anstatt den Lesern mitzuteilen, was die Kosmologie der Scientology Lehre ist, haben sie dem Leser mit 'Ausserirdischen und Weltraum-Oper' eine falsche Idee, ein völlig entartetes Konzept vermittelt. Die Schöpfungsgeschichte der Scientology Lehre ist in den 'Faktoren' enthalten - das Buch dazu: ''Lehre und Ausübung einer modernen Religion'' (bei uns erhältlich).

Die Autoren beklagen sich über das vermeintliche 'Leid' von ehemaligen Angehörigen. Wir von Aktion Dialog sind absolut empfänglich und haben offene Ohren für die Anliegen von Ehemaligen. Es hat sich bei uns aber noch niemand über 'Schikanen' , 'Pressionen', oder Schwierigkeiten beim Austritt etc. beklagt. Wir würden solche Dinge sofort mit der Kirche aufgreifen und bereinigen lassen.

Und so kommen die Autoren zum Schluss, das gesamte Bild unserer Religionsgemeinschaft zu kennen. Sie haben nun den Status eines 'Scientology-Kenners' oder eines 'Sekten-Experten' erreicht. So schnell geht das. Sie haben sich ausschliesslich und nur bei den Kritikern und bei angeblich ehemaligen Angehörigen umgehört. Sie haben weder authentische Schriften gelesen noch mit Scientologen gesprochen.




Wen kümmert‘s ?

Die Position der Scientologen fehlt im Artikel. Warum wohl?

Die Autoren beklagen sich, dass wir uns nicht mit den kritischen Stimmen auseinandersetzen. Mit diesem Schreiben haben wir somit die kritischen Stimmen nicht nur überflogen, sondern haben nun ganz ehrlich versucht, dem sachlichen Kern der erhobenen Vorwürfe auf die Spur zu kommen. Aber wo ist der sachliche Kern?

Wo ist die berechtigte und ehrliche Kritik an unserer Gemeinschaft, die uns ermöglicht, etwas zu korrigieren? Wie können wir die Kritik ernst nehmen, wenn sich die Behauptungen der Autoren mit den religiösen Schriften des Scientology Gründers nicht decken?

Wie sind wir in der Lage, diesen Behauptungen und Anschuldigungen auf angemessene Weise zu begegnen, wenn uns die Kritiker keinen Platz für einen Dialog oder eine Position geben?

Sind Sie in der Lage, die folgenden Behauptungen von Fehlverhalten zu dokumentieren:

  • "Diadochenkampf - verarmte Scientologin - Empfohlene Abtreibungen - kriminelle Psychologen - routinemässiger Gebrauch von Privatdetektiven - Kritiker auskundschaften und verunsichern - Zitate über Homosexualität - Heilsversprechungen zu gottgleicher Vollkommenheit"

Es gibt noch ein paar weitere Anmerkungen und Richtigstellungen, die uns am Herzen liegen:

Die Autoren verhöhnen auf hämische Weise den religiösen Orden der Scientology Religion die "Sea-Organisation". Es gibt auch heute noch Menschen, die sich einem religiös geführten Leben verpflichten wollen, wobei Sie auf materielle Vorteile des 'weltlichen Lebens' verzichten und ihr Leben in den Dienst ihrer Religion stellen. Wir sind stolz und glücklich, dass unsere Religionsgemeinschaft über eine solche Einrichtung verfügt. Für eine materialistische Sichtweise ist natürlich ein solches Verhalten nicht denkbar.

Beim Umgang mit Heranwachsenden und Kindern in unserer Religionsgemeinschaft gibt es weder ein "strikt" noch ein "muss" noch ein "strenges Erziehen": Schauen Sie sich das Büchlein "der Weg zum Glücklichsein an" (Link auf unserer home-page), speziell das Kapitel: "Geben Sie Kindern Liebe und Hilfe". "Ein guter, stabiler Erwachsener mit Liebe und Toleranz im Herzen ist etwa die beste Therapie, die ein Kind haben kann."

Beim Auditing in Scientology geht es um das seelsorgerische Gespräch zwischen dem Seelsorger (Auditor) und dem Gemeindemitglied. Die erhaltenen Informationen fallen streng unter das Beichtgeheimnis. Die preisgegebenen Informationen sind in keinem Fall dritten zugänglich und dürfen per Auditorenkodex in keinem Fall missbraucht werden, um das Gemeindemitglied zu irgend einer Handlung zu bewegen.

Die vorgebrachten Behauptungen, dass solche Informationen als Druckmittel benutzt würden sind extrem und unhaltbar. Wo und wann hat ein solches Beispiel stattgefunden? Bei der geistlichen Beratung sind noch nie Lügendetektoren eingesetzt worden. Das benutze E-Meter hilft im Auditing u.a. beim Auffinden von Geistiger- oder Seelischer Bedrängnis.



Auch hier können wir nachvollziehen, dass aus der puren materialistischen Sichtweise die Realität einer religiösen Beichte nicht existieren kann. Die materialistische Sicht erkennt hier nur ihre eigene Handlungs-Basis: Nötigung, Druck, Erpressung.

Im spirituellen Bereich erkennen wir in der Beichte die Bemühung, sich zu verändern, sich von Last und Fehlverhalten zu trennen, neue Kraft für die Zukunft zu schöpfen, etc.



Das Selbstverständnis und die Position der Scientology Religion sind umfassend in folgenden Büchern, bei uns auf Anfrage erhältlich, festgehalten:

  • Was ist Scientology?
  • Lehre und Ausübung einer modernen Religion

Falls Sie auf unsere gestellten Fragen Antworten oder Dokumente haben, so erwarten wir gerne Ihre Stellungnahme.



"Die höchste Stufe an Vernunft ist völlige Differenzierung.
Rationales Denken ist im Grunde Differenzierung.
Reagieren ist im Grunde Identifizierung."

L. Ron Hubbard aus Science of Survival




AKTION DIALOG

Kopie an:

* Ombudsmann TA


Beilage:

* Buch: Lehre und Ausübung einer modernen Religion
(Ihr persönliches Exemplar zum sorgfältigen Studium)





Copyright ©2005 by International Foundation for Human Rights and Tolerance. All Rights Reserved. Trademark Information