Jugend für Menschenrechte
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Brief an katholischen Sektenbeauftragten


Joachim Müller, Balgach
mit Verteiler an verschiedene Institutionen

vom 8. November 2000





Sehr geehrter Herr Müller

Sie haben von uns bereits letztes Jahr Post erhalten, wo wir Sie zum Dialog mit unserer Religionsgemeinschaft gebeten haben. (Artikel im "Sonntag")


Als Sektenbeauftragter der römisch-katholischen Landeskirche der Schweiz, befassen Sie sich mit der Aufbereitung und Verbreitung von Informationen über andere religiöse Gruppen und Minderheitsreligionen in der Schweiz. Sie sind zuständig für die Qualität der Recherchen und den Inhalt der Informationen, die Sie an Mitglieder Ihrer Gemeinschaft, an ihren Religionsschulen, auf dem Internet und an Aufkärungsveranstaltungen verbreiten.

Ihre Darstellungen über Minderheiten, auch über unsere Religionsgemeinschaft haben wir direkt miterlebt, anlässlich Ihrer Ausführungen anfangs September in der Paulus Akademie.

Als Angehörige der Scientology Religion sind wir bestürzt über die Art und Weise, wie Sie die unterschiedlichen Religionsgemeinschaften darstellen. Wir sind sprachlos über das Ausmass Ihrer Verachtung und Geringschätzung andersdenkender Menschen und über Ihre Dreistigkeit, falsche, entartete und kolportierte "Meinungen" als Fakten und Wahrheit anzupreisen.

Wir sind tief betroffen über die Darstellung anderer religiösen oder weltanschaulichen Gemeinschaften in den Filmen, welche Sie für Ihre Religionslehrer bereithalten; über das absolut erbärmliche "Rollenspiel" im Religionsunterricht "Wie gründe ich eine Gauner-Sekte" um die menschenverachtenden Clichés über Minderheiten auch an Kinder und Jugentliche weiterzugeben.

Obwohl wir Ihnen, sowie auch den Verantwortlichen der Paulus Akademie, mehrfach unsere Bereitschaft zum Dialog angeboten haben, damit Sie sich mit dem Selbstverständnis unserer Religionsgemeinschaft auseinandersetzen können, waren Sie bislang nicht bereit, auf unsere Kommunikationsbereitschaft einzugehen.

Können Sie es sich leisten, einer kleinen Gruppe von andersdenkenden Menschen den Dialog zu verwehren?

Eine "kritische" Einstellung darf nicht zur grundsätzlich "ablehnenden" Haltung gegen Minderheiten ausarten. "Kritisch" bedeuten für uns "hinterfragen", es von verschiedenen Seiten betrachten, das für und wider einer Sache zu untersuchen und abzuwägen. Auch der Schweizerische Presserat nahm kürzlich (in seiner Antwort auf unsere Beschwerde) dahingehend Stellung, dass bei der Beurteilung von Gruppen und gesellschaftlichen Akteuren das jeweilige Selbstverständnis nicht einfach ignoriert werden darf. Man muss auf die Position der Gruppe eingehen, sich mit ihr auseinandersetzen und nicht nur auf die kritischen Stimmen abstellen.

Sicher haben wir uns auch gefragt, was die Hintergründe sein mögen, mit welchen Sie Ihre "Aufklärungsaktivitäten" rechtfertigen. Bestimmt gibt es sehr fragwürdige Gruppierungen, fragwürdige Motivationen von Heilslehren etc. Ganz sicher gibt es ein Bedürfnis, sich innerhalb der gegenwärtigen Vielfalt solcher Bewegungen zu orientieren und verschiedene Gruppen voneinander unterscheiden zu können.

Wir müssen Ihnen aber ohne Umschweife klar mitteilen, dass Ihnen diese Differenzierung nicht geglückt ist und Sie mit Ihren pauschalen Wertungen und miserablen Recherchen dem religiösen Frieden und der Religionsfreiheit grossen Schaden zufügen.

Unterschiedliche Auffassungen führen zu Konfliktsituationen. Und es ist uns durchaus bewusst, dass aktive und ehemalige Mitglieder unserer Gemeinde Konflikte verursacht haben.

Es ist uns ein Anliegen, mit Problemen dieser Art direkt konfrontiert zu werden.

"Vernunft" wird im deutschen Duden Wörterbuch wie folgt definiert: "geistiges Vermögen des Menschen, Einsichten zu gewinnen, Zusammenhänge zu erkennen, etwas zu überschauen, sich ein Urteil zu bilden und sich in seinem Handeln danach zu richten."

In diesem Sinne bitten wir Sie, Probleme und Unstimmigkeiten, die im Zusammenhang mit unserer Religionsgemeinschaft auftreten, direkt mit uns zu bereinigen. Wir möchten gerne mit Ihnen und mit zuständigen Vertretern der römisch katholischen Kirche zusammenkommen um verschiedene Punkte (u.a. Ihre Informationskampagne gegen religiöse Minderheiten) besprechen. Gerne erwarten wir einen Terminvorschlag für ein solches Gespräch.





Mit freundlichen Grüssen

AKTION - DIALOG









Verteiler:

* Röm. Kath. Zentralkommission, Zürich
* Schlichtungsstelle der röm.kath. Körperschaft
* Röm. Kath. Zentralkonferenz
* Jugendseelsorge, Studentenseelsorge
* Paulus Akademie Zürich
* Dr. phil. Peter Henrici
* Bischofskonferenz, Freiburg
* Zoom Verleih für Film und Video
* Medienladen, 8026 Zürich
* Observatoire Religions, Lausanne
* Schweizer Zentrum für Toleranz, Zürich




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