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Wissenschaftliche Expertisen
Was ist Religion?
Was unter "Religion" verstanden wird, ist mehrfach dargelegt in einer aktuellen Kontroverse zwischen zwei bekannten Theologen, dem emeritierten Professor für ökumenische Theologie der Universität Tübingen,Hans Küng, und Fritz Stolz, Professor für allgemeine Religionsgeschichte und Religionswissenschaft an der Universität Zürich, in der NZZ Nr. 184 vom 11.8.1999.
Küng legt dar, der Kern der Religionen sei die Begegnung mit dem Heiligen, Absoluten, Göttlichen, Gott. F. Stolz stimmt Küng zu, dass alle Religionen mit Konzeptionen der Lebensordnung, damit auch mit Ethos verbunden seien und dass die elementaren Verhaltensregeln sich überall vielfältig gleichen. Wörtlich führt er aus: "Gewiss kann man da von Religion reden, wo sich den Menschen gegenüber ein 'Anderes' zeigt - ein Raum des Unkontrollierbaren und Unzugänglichen, des Uebermenschlichen und vielfach auch des Unmenschlichen." Dieses "Andere" sei relational und funktional auf das "Diesseits", die kulturell überschaubare Welt zu beziehen. "Die Reaktionsweisen an der Grenze zum 'Anderen' sind ambivalent: Da wird Staunen ausgelöst. Ehrfurcht, Angst und nicht zuletzt auch Aggressivität, um nur einige Elemente zu nennen. Aggression gehört wohl zu den grundlegenden religiösen Reaktionsweisen, es handelt sich nicht etwa um Religion, die von ihrem Kern und ihrer Bestimmung abgekommen wäre."
Quelle: "Weltreligionen und Weltethos", NZZ. Nr. 184 vom 11.8.1999.
Peter Karlen
Nach Peter Karlen, "Das Grundrecht der Religionsfreiheit in der Schweiz", Zürich (S. 201) ist als Religion im verfassungsrechtlichen Sinne die Bindung des Menschen zu Gott, zu mehreren Göttern oder sonst zu einem höchsten, überirdischen Wesen ("Etre supréme", "supreme being"), aber auch pantheistische, naturalistische und andere in der Transzendenz gründende Vorstellungen vom Sinn der menschlichen Existenz zu verstehen. Er zitiert auch den vom amerikanischen Supreme Court verwendeten Religionsbegriff. "........ must been sincere and meaningful and occupy a place in the life of its possessor parallel to that filled by the orthodox belief in God of those who are customarily regarded as 'religious' persons".
Karlen legt wörtlich dar (S. 202), dass "die meisten der sog. Jugendreligionen wie beispielsweise die Scientology- Kirche den Schutz der Religionsfreiheit nach der bisherigen Rechtspraxis beanspruchen können."
Karlen fasst zusammen, dass der Religionsbegriff (im verfassungsrechtlichen Sinne) weder rein individualistisch noch rein traditionalistisch bestimmt werden dürfte. Er unterscheidet drei Elemente des Religionsbegriffs (S. 205), nämlich:
- 1. Es muss sich um eine Begegnung des Menschen mit dem Transzendenten handeln;
- 2. die darauf basierenden Gedanken und Handlungen müssen sich zu einer hinreichend konsistenten (wenn auch wandelbaren) Gesamtsicht der Welt zusammenfügen;
- 3. die Haltung gegenüber der Welt darf den grundlegenden übereinstimmenden sittlichen Anschauungen der heutigen Kulturvölker - namentlich dem Grundsatz der Menschenwürde - nicht widersprechen.
Prof. Richard Friedli
Richard Friedli, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Fribourg, legte in der Kritik des bisher wohl Scientology diskriminierendsten Urteils (Anklagekammer des Kantons St. Gallen vom 12.2.97) dar, dass Scientology von international anerkannten Religionswissenschaftlern als Religion definiert werde, z.B.
- Bryan Wilson (Prof. of Sociology of Religions, Oxford, Expertise 1994, 145)
- Darrol Bryant (Prof. of Religion and Culture, Waterloo-Canada, Expertise vom Sept. 1994)
- Lonnie D. Kliever (Prof. Religions Studies, Dallas USA, 1994)
Quelle: Anmerkungen von Prof. Richard Friedli in Media Lex 2/97 vom Juni 1997
Prof. Bryan Ronald Wilson
Professor Bryan Ronald Wilson, immerhin Ehrendoktor der Katholischen Universität Loewen, veröffentlichte im Februar 1995 eine vergleichende Analyse über die religiöse Lehre und Doktrin von Scientology. Die wissenschaftlichen Qualifikationen des Gutachters ergeben sich aus diesem Bericht (S. 60). Er geht von der Vielfalt der Religionen und den Problemen einer Definition des Begriffs "Religion" aus. Er legt die hauptsächlichsten Charakteristika der Religion dar. Alsdann wendet er diese Kriterien auf Scientology an. Er stellt in elf Punkten Uebereinstimmung, in fünf bedingte Uebereinstimmung, in drei Nicht-Uebereinstimmung und einem Punkt ein "Unentschieden" fest, nämlich
- Thetane sind eine wirkende Kraft, welche die normale sinnliche Wahrnehmung transzendieren. Es ist auch zu vermerken, dass Scientology die Existenz eines Höchsten Wesens bejaht. Uebereinstimmung.
- Scientology postuliert, dass Thetane die natürliche Ordnung geschaffen haben. Uebereinstimmung.
- Thetane bewohnen menschliche Körper, was einen kontinuierlichen Eingriff in die materielle Welt zur Folge hat. Uebereinstimmung.
- Thetane wirken vor dem Verlauf der menschlichen Geschichte, sollen das physikalische Universum erschaffen haben und bewohnen Körper, um Vergnügen, Identität und ein Spiel zu haben. Das ist jedoch ein unbestimmter Zweck, und das Höchste Wesen wird in Scientology nicht als Wesen mit bestimmten Zwecken dargestellt. Bedingte Uebereinstimmung.
- Die Aktivitäten von Thetanen und die von Menschen sind identisch. Die künftigen Leben des Thetanen werden sehr stark davon beeinflusst, inwieweit er sich vom reaktiven Verstand lösen kann. Auch sein gegenwärtiges Leben wird zutiefst davon beeinflusst. Uebereinstimmung.
- Auditing und Ausbildung sind Mittel, durch die ein Individuum sein Schicksal beeinflussen kann, ganz bestimmt in diesem Leben und in den Leben der Körper, die es später bewohnen mag. Uebereinstimmung.
- Rituale als Symbolismus im traditionellen Sinn von Anbetung (z.B. Katholische Messe) sind in der Scientology, genau wie bei den Quäkern, nur minimal und rudimentär vorhanden, aber sie existieren. Um hier jedoch eine konservative Stellung zu beziehen, betrachten wir diesen Punkt als Uebereinstimmung.
- Günstigstimmende Handlungen (z.B. Opfer oder Busse) sind bei Scientology nicht vorhanden. Das Individuum strebt nach Weisheit und spiritueller Erleuchtung. Nicht-Uebereinstimmung.
- Aeusserungen der Hingabe, des Danks, der Huldigung und des Gehorsams an übernatürliche Kräfte sind praktisch nicht vorhanden, mit Ausnahme der in Scientology vorgeschriebenen Zeremonien für die verschiedenen Lebensabschnitte. Nicht-Uebereinstimmung.
- Obwohl Scientology über eine bestimmte Sprache verfügt, die ein Mittel der Verstärkung von gruppeninternen Werten darstellt, und die Schriften oder Lehren von L. Ron Hubbard im allgemein gebräuchlichen Sinn des Wortes "heilig" gehalten werden, kann das nicht als in Uebereinstimmung mit der fachlichen Bedeutung des Begriffes "heilig", nämlich "Dinge an eigens dafür vorgesehenen Orten und Tabu", betrachtet werden. Nicht- Uebereinstimmung.
- Feiern oder kollektive Bussen sind keine ausgeprägten Merkmale von Scientology, doch hat die Bewegung in den letzten Jahren eine Reihe von Gedenktagen festgelegt. Unter anderem werden der Jahrestag von Hubbards Geburt und das Gründungsdatum der International Association of Scientologists gefeiert, und es gibt einen Tag, an dem die Auditoren für ihre Hingabe gefeiert werden. Bedingte Uebereinstimmung.
- Scientologen führen relative wenige kollektive Rituale durch, doch stellt die Lehre der Bewegung eine umfassende Weltanschauung zur Verfügung und vermittelt ihren Mitgliedern auf diese Weise einen Sinn für Gemeinschaft und gemeinsame Identität. Bedingte Uebereinstimmung.
- Scientology ist keine stark moralistische Religion, doch ist sittliches Verhalten im Laufe der Zeit zu einem wachsenden Anliegen geworden, nachdem die ganze Tragweite seiner metaphysischen Prämissen erkannt wurde. Seit 1981 wurden die moralischen Erwartungen von Scientologen klar formuliert: Sie ähneln den Zehn Geboten und unterstreichen das bereits seit langem bestehende Anliegen, "Overt-Handlungen" (schädliche Handlungen) zu reduzieren. Die Lehren über den reaktiven Verstand und die Wiedergeburt beinhalten ethische Ausrichtungen, die denen des Buddhismus ähnlich sind. Uebereinstimmung.
- Scientology legt besonderen Nachdruck auf die Ernsthaftigkeit der Zielsetzung, auf unterstützende Verpflichtung und auf Loyalität gegenüber der Organisation und ihren Mitgliedern. Uebereinstimmung.
- Die Scientology-Lehre der Seelenwanderung erfüllt dieses Kriterium voll und ganz. Für den Thetan entspricht der kumulative reaktive Verstand einer Schuld, und diese Schuld kann durch die Anwendung der Techniken von Scientology verringert werden. Uebereinstimmung.
- Scientology verfügt über Amtsträger, die vorrangig als "Beichtväter" (Auditoren) dienen. Einige von ihnen sind ebenfalls Kapläne, die im wesentlichen Aufgabe der Seelsorge und der Auslegung haben. Auditoren, Kursleiter und Kapläne (eigentlich alle hauptamtlich aktiven Mitglieder) streben danach, die Theorie und Praxis von Scientology vor Verfälschung zu bewahren. In diesem Sinne sind sie Bewahrer. Uebereinstimmung.
- Auditoren, Kursüberwacher und Kapläne werden bezahlt. Uebereinstimmung.
- Scientology verfügt über eine metaphysische Doktrin, die eine Erklärung vom Grund und Zweck des Lebens, eine detaillierte Theorie der menschlichen Psychologie sowie eine Darstellung vom Ursprung und Funktion des physikalischen Universums bietet. Uebereinstimmung.
- Die Scientology bezieht ihre Legitimität aus einer Art von Offenbarung durch L. Ron Hubbard. Hubbards eigene Quellen erwähnen unter anderem die überlieferte Weisheit des Orients, doch sein Werk soll fast ausschliesslich auf seinen Forschungsergebnissen beruhen. Diese Mischung aus Tradition, Charisma und Wissenschaft ist ebenfalls in anderen modernen religiösen Bewegungen zu finden, insbesondere in der Christlichen Wissenschaft. Bedingte Uebereinstimmung.
- Der Anspruch auf die Wahrheit einiger der Scientology-Lehren ist empirischen Ueberprüfungen nicht zugänglich, doch soll die Wirksamkeit von Auditing in der Praxis nachweisbar sein. Die Ziele von Scientology sind jedoch abhängig vom Glauben an die metaphysischen Aspekte der Lehre, selbst wenn behauptet wird, dass die Mittel einer empirischen Ueberprüfung zugänglich sind. Bedingte Uebereinstimmung.
Wilson wollte aber die in seinem Gutachten dargelegten Ergebnisse nicht allein von formalen oder abstrakten Gründen abhängig verstanden wissen. Als Soziologe beobachtete er das Verhalten: "Viele Scientologen haben ein sehr stark ausgeprägtes Gefühl religiöser Bindung. Sie betrachten ihre Ueberzeugungen und Praktiken als Religion, und viele zeigen einen Grad an Einsatzbereitschaft, der über den unter Gläubigen der traditionellen Kirchen üblichen Grad hinausgeht. In dieser Hinsicht verhalten sich viele Scientologen wie die Mitglieder christlicher Sekten, die im allgemeinen eine intensivere Hingabe an ihre Religion zeigen als die grosse Mehrheit von Gläubigen in den etablierten Kirchen und Konfessionen. Als Soziologe sehe ich Scientology als ein echtes System religiösen Glaubens und religiöser Praktik, das bei seinen Mitgliedern tiefes und ernsthaftes Engagement hervorruft."
Wilson schloss daher seine Expertise mit folgendem Satz:
"Unter Berücksichtigung all dieser Gesichtspunkte steht für mich eindeutig fest, dass Scientology eine bona fide Religion ist, und dass sie als solche betrachtet werden sollte."
Quelle: "Scientology - Vergleichende Analyse ihrer religiösen Lehre und Doktrin" von Bryan Wilson.
Darrol Bryant
Darrol Bryant legte am 26. September 1994 ein Gutachten vor zur Frage, ob Scientology eine "Religion" sei. Auch seine wissenschaftliche Qualifikation ist in dieser Expertise dargelegt. Er kommt dabei (S. 7) zur unverblümten Antwort: "Ja, sie ist eine Religion." Er bejaht, dass in der Scientology ausgeprägte religiöse Glaubensvorstellungen bezüglich der Bedeutung und der letztlichen Bestimmung des menschlichen Lebens zu finden seien. Sie bietet Lösungen für die Probleme des Geistes, des Lebens und des Denkens. Wesentliche Begriffe in diesem Zusammenhang seien der Thetan und die Acht Dynamiken (Impulse, Antriebe). Der Mensch bestehe Scientology zufolge aus drei unterschiedlichen Teilen: dem Körper, dem Verstand und dem Thetan. Der Thetan in Scientology entspricht der Seele im Christentum und dem Geist (Spirit) im Hinduismus. "Teil des Problems des Lebens ist es, dass die menschlichen Wesen das Bewusstsein über ihre wahre Natur verloren haben. ... Bewusstsein und Wissen über sich selbst als Thetan sind jedoch wesentlich für Wohlbefinden und Ueberleben." Menschliche Wesen sollen ihre geistige Natur wieder erwecken und erkennen, dass sie ein Thetan sind. "Der Thetan ist 'spirituell, unsterblich und im Grunde genommen unzerstörbar'".
Eine Hauptaufgabe der Religion besteht darin, die Spiritualität einer Person wieder herzustellen. "Dieses Bewusstsein ist daher die erste Stufe eines religiösen Weges, der eine Person dahinführt, 'Clear' zu werden." Scientologen seien der Ueberzeugung, dass menschliche Wesen frei und schöpferisch auf den Acht Dynamiken des Lebens voranschreiten können, wenn sie sich ihrer wahren Natur und der Anordnung der Realität in konzentrischen Kreisen bewusst würden. "Insbesondere in der Achten Dynamik bestätigt Scientology das, was andere als Höchstes Wesen oder Schöpfer bezeichnen." Die Zurückhaltung der Scientology bezüglich der "Unendlichkeit" habe ihre Parallelen in anderen Traditionen; vor dem "Letztendlichen Geheimnis" rieten Mystiker aller Richtungen zur Zurückhaltung, sogar zum Schweigen.
Wie einige andere religiöse Traditionen sehe die Scientology das religiöse Streben weitgehend in religiös- therapeutischen Begriffen. Das Herangehen an das menschliche Problem sei ein Prozess, bei dem verlorene oder verborgene spirituelle Kraft oder Dimension des Lebens verwirklicht werde. Verbunden mit den Glaubensgrundsätzen Seien sie eine religiöse Praktik und ein religiöser Weg. Zwar werden diese Dimensionen in den eigenen Worten von Scientology oft als "Technologie" oder als "Methoden der Anwendung der Prinzipien" beschrieben. Die von Scientology geübten Praktiken hätten ihre Parallelen in den spirituellen Disziplinen anderer Traditionen. Die Schriften von Hubbard dienten als massgebliche Texte innerhalb der Scientology-Gemeinschaft, entsprechend den Heiligen Schriften in anderen Traditionen. In der Scientology-Literatur finde man zahlreiche Hinweise auf "Verhaltenskodizes" und andere ethische Richtlinien, die das Leben der Scientologen formten. Dass Religion nicht nur ein System, sondern auch eine Gemeinschaft von Menschen sei, die durch Glaubenssätze, Praktiken und Riten verbunden seien, finde sich auch in Scientology.
Darrol Bryant schliesst daher (S. 10):
"Im Lichte dieser Untersuchung von Scientology, unter Heranziehung der Elemente der modernen, wissenschaftlichen Definition von Religion, ist es offensichtlich, dass Scientology eine Religion ist. Sie hat ihre eigenen, schriftlich niedergelegten, charakteristischen Glaubensvorstellungen an eine unsichtbare, spirituelle Ordnung, ihre eigene charakteristische religiöse Praktik und ein rituelles Leben, und sie verfügt über ihre eigenen massgebenden Schriften und gemeinschaftsbildenden Aktivitäten."
Quelle: "Scientology - Eine neue Religion" von M. Darrol Bryant vom 26.9.1994
Lonnie D. Kliever
Lonnie D. Kliever verfasste am 26.9.1994 ein Gutachten. Ihre wissenschaftliche Qualifikation findet sich auf Seite 1 und 2 der Expertise. Sie stellte sich die Frage, ob Scientology in jeder Hinsicht des Wortes als "Religion" zu bezeichnen sei. Sie definiert "Religion" als "jedes System von Glaubensvorstellungen und -praktiken, welches für sich in Anspruch nimmt, Individuen und Gemeinschaften in den transzendenten Grundlagen ihrer Existenz in Einklang zu bringen." Jede Religion bekräftige irgendeine höchste Wahrheit oder Wirklichkeit, die eine Antwort auf die grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz beinhalte. Das bestimmende Merkmal aller Religionen sei eine Verbindung zu dieser höchsten Wahrheit. "Die Scientology stellt ein System von Glaubensvorstellungen und Praktiken dar, das für sich in Anspruch nimmt, sowohl das Einzelwesen als auch Gemeinschaften mit der transzendenten Grundlage der gesamten Existenz in Einklang zu bringen. Genauer gesagt, Scientology besteht den sine qua non Test einer jeglichen Religion, weil sie die Wirklichkeit einer transzendenten Grundlage der menschlichen Existenz bekräftigt und diese transzendente Grundlage auf einer vollständig spirituellen Ebene begreift." Sie kommt in der Beurteilung der Acht Dynamiken im wesentlichen zu gleichen Ergebnissen wie Daroll Bryant.
Wie jede Religion nach Erlösung strebt, biete auch Scientology einen Weg an, um menschliche Verwirrung, menschliches Leid und menschliche Verderbtheit zu überwinden. Für den Scientologen seien die Probleme der menschlichen Rasse im Grunde geistiger, und nicht nur körperlicher oder mentaler Natur. Dem Thetan hänge ein Makel an, der den Körper schwäche und das Denken verdunkle. Scientology verspreche aber ein Verfahren, um den Thetan von den unbewussten Erinnerungen an die in früheren Leben erlittenen Katastrophen sowie von den Schwächen des jetzigen Lebens zu befreien, die sein Bewusstsein benebeln und seine Fähigkeiten einengen.
Wie andere Religionen auch, stelle Scientology ein Streben nach vollständiger Erlösung dar, welche das Leben in einer späteren "Welt", aber auch das jetzige Leben umfasse.
Die Scientologen beschränkten das Versprechen des durch "Clearing" zu erreichenden geistigen Wohlbefindens nicht auf den einzelnen. Erst wenn die Erde "geklärt" sei, würden Menschen eine "Zivilisation" ohne Wahnsinn, ohne Kriminelle und ohne Krieg" erreichen.
Scientology besitze ein unverwechselbares Gebäude religiöser Glaubensvorstellungen. Scientology habe einen unverkennbaren Grundkörper religiöser Bräuche. Scientology habe spezialisierte, gesellschaftliche Organisations- und Führungsstrukturen entwickelt, um ihre Mitglieder zu betreuen und ihre Botschaft zu verbreiten.
"Die hierarchische Struktur der Scientology Kirche basiert auf ihren religiösen Grundlagen und dient religiösen Zwecken." Die Leitung der Scientology Kirche gründe auf der gebietenden religiösen Vision und Autorität L. Ron Hubbards.
Die Expertin schliesst (S. 8), dass Scientology in jeder Hinsicht des Begriffs eine Religion sei. "Die spirituellen Disziplinen und institutionellen Verkörperungen Scientologys sind in der Tat etwas besonderes. Aber sie sind auch angemessen für eine neue Religion, die versucht, die Spiritualität östlicher und die Geschichte westlicher Religionen in einer 'überkonfessionellen' Bewegung zusammenzufassen, und die andere religiöse Tradition respektiert, während sie sie auch transzendiert. Dennoch erfüllt Scientology eindeutig die wissenschaftliche Definition religiöser Tradition, verfolgt eindeutig die Ziele allen religiösen Strebens, und weist deutlich die Dimensionen aller religiöser Gemeinschaften auf."
Quelle: "Scientology - Eine religiöse Gemeinschaft" von Lonnie D. Kliever vom 26.9.1994.
Prof. Per-Arne Berglie
Auch andere, von Prof. Richard Friedli in den vorerwähnten Anmerkungen (4.2.2.3) nicht namentlich zitierte Religionswissenschaftler haben sich zur Frage, ob Scientology eine Religion sei, positiv geäussert.
Per-Arne Berglie, Professor für Religionsgeschichte an der Universität Stockholm, publizierte ein Gutachten über die Scientology Kirche. Er folgert, dass sich hinsichtlich des Menschenbildes und der Lehre grosse Aehnlichkeiten der Scientology Kirche zu östlichen Religionen ergäben. Die Organisation und die religiösen Zeremonien erinnerten mehr an den Westen und das Christentum. Scientology besitze darüber hinaus das vollständige Erscheinungsbild einer Religion. "Deshalb muss man der Meinung Ausdruck verleihen, dass sie innerhalb einer Gesellschaft, in der Religionsfreiheit herrscht, mit den Möglichkeiten ausgestattet werden sollte, mit denen sie die religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder und Anhänger zufriedenstellen kann."
Quelle: "Scientology - Ein Vergleich mit östlichen und westlichen Religionen" von Per-Arne Berglie vom 20.3.1996.
Prof. Alan W. Black
Alan W. Black, ausserordentlicher Professor für Soziologie an der Universität von Neu-England, Australien, legt in einem Gutachten zuerst seine wissenschaftliche Qualifikation, dann die Aufgabenstellung und schliesslich die Methodik dar. Er äussert sich einlässlich über die Dimensionen der Religion. Hierauf analysiert er die Scientology auf dem Hintergrund der dargelegten Dimensionen. Scientology bejahe zwar die Existenz Gottes, des Höchsten Wesens, habe aber kein Dogma darüber, in welcher Form dieser Gott existiere. Trotzdem glaubten die Scientologen, dass durch den spirituellen Fortschritt, den man in Scientology mache, jeder die Achte oder Gott-Dynamik erreichen könne, und dass dann die wahre Natur Gottes jedem subjektiv offenbar würde. Auch er sieht darin eine Verwandtschaft zum Buddhismus oder Unitarismus. Da Scientology keine Anbetung Gottes im hergebrachten westlichen Sinne kenne, sondern eher nach persönlichem, spirituellem Bewusstsein oder nach Erleuchtung strebe, stehe sie den grossen Religionen des Ostens näher als denen des Westens.
Eine erzählerische oder mythische Dimension sei in L. Ron Hubbards Schriften über den Ursprung des physikalischen Universums ganz offensichtlich. Die starke Betonung liege auf den Aktivitäten und Erfahrungen des Thetans aus vergangenen Zeiten.
Das Herzstück der Scientology liege in bestimmten religiösen Praktiken, von denen eine der wichtigsten als Auditing oder Processing bezeichnet werde. Die praktische und rituelle Dimension der Scientology habe aber auch andere Elemente, die denen anderer Religionen in mancher Hinsicht ähnlich seien.
Vorrangiges Ziel der Scientology sei, den Menschen bei der Erreichung des Zustandes "Clear" zu helfen. Nach Erlangung dieses Zustandes könne man zu noch höheren Ebenen geistiger Freiheit aufsteigen.
In Bezug auf die ethische Dimension verweist die Expertise auf ein Werk Hubbards, wo erklärt wird, dass die Entwicklung der "grundlegenden Technologie der Ethik" ein wichtiger Durchbruch in der Scientology gewesen sei.
Die eklesiastische Struktur der Scientology Kirche sei hierarchisch und in Uebereinstimmung mit den "Stufen der Brücke zur völligen Freiheit" aufgebaut. Die Kirchen der Scientology seien oft mit besonderen religiösen Symbolen geschmückt. Ein weiterer Teil der materiellen Dimension der Scientology sei das E-Meter, das in den Schriften der Scientology als "religiöses Hilfsmittel in der kirchlichen Beichte" beschrieben werde.
"Auf Grund der vorstehenden Analyse komme ich zu dem Schluss, dass Scientology zu Recht als Religion anerkannt wird."
Der Gutachter verweist auch auf das Urteil des Obersten Gerichts von Australien, das einstimmig anerkannte, Scientology sei eine Religion.
Quelle: "Ist Scientology eine Religion?" von Alan W. Black vom 24.1.1996
Prof. Walter Barfuss
Der unabhängige Verwaltungssenat Wien stützte sich neben den verschiedenen, von Scientology nachgewiesenen wissenschaftlichen Gutachten auf Prof. Dr. Walter Barfuss ab, der nicht den geringsten Zweifel daran hatte, dass die Anhänger der Scientology Kirche einen positiven Gottesglauben pflegen, so dass demnach auch eine Religion vorliegt.
Quelle: Berufungsbescheid Unabhängiger Verwaltungssenat Wien vom 1.8.1995
Fumio Sawada
Im Aufsatz von Fumio Sawada "Scientology im Verhältnis zu anderen Religionen" wird dargelegt, im Mittelpunkt der Scientology stehe die als Auditing genannte Praktik. Der Berichterstatter vergleicht sie mit verschiedenen Praktiken in anderen Religionen, wo zweifelsfrei feststeht, dass sie zu den Kulthandlungen gehören. Er erkennt auf Gleichartigkeit oder Aehnlichkeit. Er weist auch auf die Zeremonien der Scientology Kirchen bei Beerdigungen, Hochzeiten und zur "Begrüssung von neuen Erdenbürgern" hin, welche der Geistliche durchzuführen habe, und auf die der westlichen Hemisphäre von Scientology abgehaltenen Sonntagsandachten.
Quelle: Fumio Sawada: "Scientology im Verhältnis zu anderen Religionen"
Prof. Juha und Marja Pentikainen
Juha Pentikainen und Marja Pentikainen legen im Bericht "Die Scientology-Kirche" die Gebräuche und den Lebensstil von Scientologen dar. Sie erklären, die Kirchen und anderen Zentren wiesen immer auch einen Platz zur Andacht auf, einen heiligen Platz für die wöchentliche Andacht und familiäre Zeremonien. Die Scientology-Kirche habe auch einen eigenen jährlichen Kalender von Feiertagen, an denen der Jubiläen im Leben des Gründers und in der Geschichte der Kirche gedacht werde. Offenbar ordensähnlich gibt es eine Sea Organization; sie weist manche Parallele zu Orden anderer Kirchen auf. Sie Scientology-Kirche ordiniert Geistliche. Diese kümmern sich um die Rituale gemäss den Handbüchern für Rituale. Die wichtigen heiligen Handlungen umfassten die mit den wöchentlichen Sonntagsandachten zusammenhängenden Abläufe und die "Durchgangsriten", die sich auf Schlüsselmomente des menschlichen Lebenskreises bezögen. Die Scientology-Kirchen habe in diesem Fall mehrere sehr präzise Modelle für Namensgebungen, Hochzeiten und Beerdigungen geschaffen, zusammen mit Musterpredigten des Gründers.
Quelle: "Die Scientology-Kirche" von Prof. Juha und Marja Pentikainen, MSC, vom Januar 1996
Régis Dericquebourg
Régis Dericquebourg legt im Gutachten "Scientology" dar, dass Auditing die primäre Religionspraktik der Scientologen sei. Das sei für sie ein methodischer, spiritueller Weg. Er soll zum Auslöschen der Engramme führen und damit zum Zustand "Clear". Hinzu kommen als wichtige Kernpraktiken der Religionsausübung die Ausbildung und die Reinigung. Hinzu kommen als wichtige Kernpraktiken der Religionsausübung die Ausbildung und die Reinigung. Der Gutachter führt weiter die religiösen Zeremonien an, die auch in den traditionellen Religionen vorkommen: Namensgebungszeremonie, sonntäglicher Gottesdienst, Hochzeiten und Beerdigungen.
Quelle: "Scientology" von Régis Dericquebourg, Prof. für Religionssoziologie, Universität Lille, vom 22.9.1995
Frank K. Flinn
Frank K. Flinn verweist im Gutachten "Scientology - die Kennzeichen einer Religion", S. 9/10, auf die tiefe Abneigung streng protestantischer Konfessionen gegenüber allen "üppigen Zeremonien", welche gar als Aberglaube oder Götzenverehrung verpönt seien. Dennoch zweifelt niemand daran, dass die Quäker, die selbst das Priestertum verwerfen und in den Gebetsversammlungen keinerlei Riten pflegen, eine Religionsgemeinschaft mit einem Kultuszweck bilden. In Uebereinstimmung mit östlicher Tradition identifiziere Scientology ihre Form der Andacht nicht so sehr mit Feierlichkeiten und Hingabe, sondern eher mit Meditation und Unterweisung, die Erkenntnis und Erleuchtung oder in der Scientology-Terminologie "Clearing" betonten. Auch in den westlichen Andachtsformen fehlten Meditation und Unterweisung übrigens nicht. Die Scientology-Kirche habe als ihr "höchstes Sakrament" Auditing und Ausbildung. Das religiöse Hauptziel aller praktizierenden Scientologen sei es, "Clear" zu werden und den Zustand des "Operierenden Thetan" zu erreichen. Die Andachtsräume der Katholiken seien überall dort, wo die sieben Sakramente gespendet würden. Die Andachtsräume der Scientologen seien überall dort, wo Gemeindemitgliedern Auditing und Ausbildung in den Schriften der Scientology vermittelt würden.
Quelle: "Scientology - die Kennzeichen einer Religion" von Frank K. Flinn
Alan W. Black
Alan W. Black behandelt in seinem Gutachten "Ist Scientology eine Religion?" die Sieben Dimensionen der Religion. Er weist nach, dass viele Praktiken der Scientology den Bräuchen, die in einer oder mehreren anderen anerkannten Religionen gefunden würden, ähnlich seien oder den Bräuchen von Scientology entsprächen.
Quelle: "Ist Scientology eine Religion?" von Alan W. Black vom 24.1.1996
Per-Arne Berglie
Per-Arne Berglie weist in "Scientology - ein Vergleich mit östlichen und westlichen Religionen" nach, dass die Organisation und die religiösen Zeremonien von Scientology durchaus an die anderen westlichen Religionen und namentlich an das Christentum erinnerten.
Quelle: "Scientology - Ein Vergleich mit östlichen und westlichen Religionen" von Per-Arne Berglie vom 20.3.1996
Lonnie D. Kliever
Im auch von Prof. Friedli anerkannten Gutachten von Lonnie D. Kliever "Scientology - eine religiöse Gemeinschaft" wird eine Analyse der Scientology Kirche als Gemeinschaft mit Andachtspraktiken aufgeführt. Diese Andachtspraktiken, die ja nichts anderes als Kultushandlungen sein können, werden in Form und Inhalt anerkannt. Scientology-Auditing habe Aehnlichkeit mit der christlichen Beichte und der buddhistischen Meditation. Es sei eine Form der spirituellen Beratung, die es einer Person ermögliche, ihre Identität als geistiges Wesen zu entdecken, das das Potential unendlichen Ueberlebens in sich trage. Auditing reiche von sehr einfachen bis hin zu durchdringenden religiösen Erfahrungen, während man die Brücke mehr und mehr hinaufschreite. Die Scientology-Ausbildung, die dem Bibelstudium und den religiösen Unterweisungen im Judentum und Christentum sowie im Hinduismus und Buddhismus ähnelte, bereichere die durch geistiges Auditing erreichte Freiheit um religiöses Wissen.
"Während sich die primären Formen der Andacht in allen Religionen auf heilige Objekte beziehen und Ausdruck geistiger Erfahrungen sind, gibt es andere Rituale, die routinemässig im Zusammenhang und im Geiste der religiösen Praxis durchgeführt werden. Die bedeutendsten dieser Bräuche sind die Riten anlässlich der verschiedenen Lebensstadien, die die wichtigsten Momente von Uebergang und Wandlung für den Einzelnen und die Gemeinschaft kennzeichnen. Die Scientology-Kirchen begehen regelmässig den Ritus der Namensgebung, der Hochzeit und die Bestattung gemäss den Zeremonien der Scientology sowie die Feiertage ihres Glaubens gemäss der heiligen Geschichte ihrer religiösen Ueberzeugung und des täglichen Lebens" (S. 11)
Das Gutachten fährt weiter:
"In jedem Fall spielt bei den Anlässen der Andachtshandlung - ob diese privat oder öffentlich, alleine oder gemeinschaftlich stattfinden - das Zentrum der religiösen Verehrung in jeder Religion eine unerlässliche Rolle. ... Wie in jeder Religion haben auch die Scientology Kirchen ihr eigenes, unverkennbares Ambiente. Sie sind aber die Zentren sowohl der privaten als auch der öffentlichen Andachtspraktiken." (S. 12)
Die Expertise schliesst:
"Wie bei anderen Traditionen bezwecken die Andachtspraktiken der Scientology Kirche eine Vertiefung des spirituellen Bewusstseins und die Entwicklung der geistigen Fähigkeit des Einzelnen, der Familie, der Gemeinde und letztlich der Welt." (S. 12)
Quelle: "Scientology - Eine religiöse Gemeinschaft" von Lonnie D. Kliever vom 26.9.1994
M. Darrol Bryant und Bryan Wilson
Anzufügen sind hier auch die Darstellungen der Kultusausübung durch Scientology in den Gutachten von M. Darrol Bryant (von Prof. Friedli anerkannt) und von Bryan Wilson (ebenfalls von Prof. Friedli anerkannt).
Quelle: "Scientology - Vergleichende Analyse ihrer religiösen Lehre und Doktrin" von Bryan Wilson
"Scientology - Eine neue Religion" von M. Darrol Bryant vom 26.9.1994
Schlussfolgerung
Die Scientology Kirche verfolgt - sowohl in den einzelnen Kantonen als auch gesamtschweizerisch - Kultuszwecke. Sie pflegt einen religiösen Glauben und ein gemeinsames Glaubensbekenntnis. Sie will den religiösen Glauben durch Meditation, Vorträge, persönliche Aussprachen, Andachten und Herausgabe von Schriften erneuern und fördern.
Quelle: Prof. Friedli, Universität Freiburg i.Ue.
Schlussfolgerung
In der Lehre von Scientology begegnet der Mensch dem Transzendenten. Scientology fügt die darauf basierenden Gedanken und Handlungen zu einer durchwegs konsistenten Gesamtansicht der Welt zusammen. Diese Gesamtsicht der Welt hat sich in den anerkannten grossen Religionen wohl weit mehr gewandelt als im vergangenen halben Jahrhundert bei Scientology.
Auch den heftigsten Angreifern ist es nicht gelungen, Scientology nachzuweisen, dass sie dem Grundsatz der Menschenwürde widerspricht. Nichts findet sich in ihrer Lehre und Glaubenshaltung, was einen solchen Schluss zuliesse. Ungezählte Zitate liessen sich aber anführen, welche zeigen, dass es Scientology genauso um die Menschenwürde geht wie anderen Religionen auch. Dabei steht das Verständnis der Menschenwürde bei Scientology in keiner Weise im Widerspruch zu dem, wie sie von den heutigen Kulturvölkern verstanden wird. Ansonsten hätte Scientology nicht bei der Europäischen Menschenrechtskommission und nicht bei so und so vielen höchsten Gerichten in Ländern, die sich wohl kaum von schweizerischen Behörden oder Gerichten nachsagen lassen möchten, sie gehörten nicht zu den Kulturvölkern, in Prozessen, wo es um die Religionsqualität ging, obsiegt.
Gelegentlich wurde Scientology der Schutz von Gesetz und Verfassung mit dem Hinweis auf die fehlende Vertrauenswürdigkeit entzogen. Das wurde mit Straftaten von Angehörigen dieser Religionsgemeinschaften begründet. Von Einzelfällen wurde auf die Institution geschlossen. Kirchen dürften sich nicht ausserhalb des Gesetzes bewegen. Wenn einzelne ihrer Angehörigen dies irgendwo auf der Welt tut, so heisst das nicht, dass es erlaubt wäre, auf die Kirche als Ganzes zu schliessen. Prof. Friedli hat auf die katholische Kirche hingewiesen, deren vereinzelte Mitglieder sich im Rahmen ihrer kirchlichen Tätigkeit Finanzskandale und gar im erzieherischen Bereich Pädophilie (immerhin war der Primas eines Nachbarlandes nicht von Schuld reinzuwaschen; es wurden episkopale Gottesdienste für die Opfer priesterlicher sexueller Missbräuche gefeiert) zuschulden kommen liessen. Niemand hat deswegen den im übrigen hoch angesehenen konfessionellen Schulen die Betriebsbewilligung entzogen.
Quelle: Kipa-Dienst Nr. 123 vom 3.5.1998
Es ist wirklich müssig, heute noch die Frage, ob Scientology eine Religion sei, zu verneinen oder sie beiseite zu schieben. Man denke an das Jahr 49 unserer Zeitrechnung. Glaubt jemand im Ernst, die christliche Kirche hätte damals nur einigermassen vergleichbare wissenschaftliche, behördliche oder gar gerichtliche Entscheide zu Gunsten ihrer Religionsqualität beizubringen vermögen, wie das heute Scientology, die man als Jugendreligion etc. abtut, zu edieren vermag? Zu dieser Zeit fand erst das Apostelkonzil unter Mitwirkung von Petrus und Paulus statt. Die Paulusbriefe waren noch gar nicht geschrieben. Waren es die Evangelien? Welcher Christ würde dulden, dass man seiner Kirche für die frühe Phase die Religionsqualität abspräche?
Quelle: Prof. Friedli, Universität Freiburg i.Ue.
Die Verfolgung von Kultuszwecken durch die Scientology Kirche in der Schweiz
Ausgerechnet in einem Land, wo die zwingli-evangelische und kalvinistische Religionsausübung, die äusserst kultusarm sind, bis vor kurzem die mitgliederstärksten Glaubensbekenntnisse waren. In einem Staat, wo auch die Katholische Ortskirche in der zeremoniellen und liturgischen Entfaltung entsprechend der schweizerischen Mentalität recht zurückhaltend ist, sollte man nicht einer jungen, "amerikanischen" (damit gemeint ist im weitesten Sinne puritanisch-kalvinistisch beeinflussten) Religionsgemeinschaft möglichst hohe Anforderungen an ihre Kultusausübung stellen.
Der Unabhängige Verwaltungssenat Wien hat im Urteil vom 1.8.1995 festgehalten, was die Berufungsbewerberin (Scientology) unter Hinweis auf ein Gutachten von Prof. Dr. Jörg Müller-Volbehr u.a. als Kulthandlungen nennt:
Der Reinigungs-Rundown, der eine religiöse Handlung darstellte, die dazu diene, den Menschen rein zu waschen und den Thetan, die Vergeistlichung des Menschen, zu verstärken. Auch der Verkauf des sogenannten E-Meters sei ebenfalls als Teil der Religionsausübung (Kult) anzusehen. Der Geistliche der Scientology Kirche, genannt Auditor, der die spirituellen Zeremonien durchführe, habe dieses Gerät zu verwenden. Es diene dazu, geistige Bereiche des Aberrierten (Sündigen) zu entdecken (S. 14).
Es wird hingewiesen auf das Gutachten von Prof. Dr. Michael Schmaus, wonach die Absicht von Scientology dahingeht, durch religiöse und philosophische Aussagen und durch die Riten den Menschen Hilfen für die Bewältigung des Lebens zu vermitteln.
Zitiert wird im Urteil auch das Gutachten von Prof. Dr. Ferdinand Kopp vom 2.6.1984 zur Frage, ob Scientology eine Religionsgemeinschaft im Sinne der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland sei. Es wird darin hingewiesen auf die Unterweisung, auf das Auditing, auf die Kulthandlungen, welche dem Menschen die erforderliche oder doch zweckmässige Hilfe gewähren, in unmittelbare Beziehung zu Gott als übernatürlichem Wesen oder Prinzip zu treten.
Die Vertreterin von Scientology äusserte in der mündlichen Verhandlung, die von der Scientology Kirche durchgeführten Kurse wie insbesondere das sogenannte Auditing dienten im Sinne der religiösen Lehre der Scientology-Kirche der Erreichung des Zustandes "Clear". Sie wies auch auf die religiösen Handlungen wie Eheschliessungen, Begräbnisse oder Taufen hin.
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