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Scientology als Kirche und Religion in Australien anerkannt
"Religion" vom Hohen Gerichtshof in Australien neu definiert - Weitreichende Auslegung

Perth(dpa). Der Glaube ans Göttliche ist in Australien nicht mehr die wichtigste Qualifikation für eine Religion. Der Hohe Gerichtshof von Australien hat in diesen Tagen zum ersten Mal in der Geschichte des Landes eine rechtsgültige Definition des Begriffs Religion formuliert und der Scientology offiziell den Status einer Religion und Kirche zuerkannt, und das nicht nur zu Zwecken der Steuerbefreiung.

Zwar war das jahrelange Verbot der Scientology schon vor einiger Zeit aufgehoben und die Ausübung dieser "Religion" gesetzlich erlaubt worden. Aber Ende des vorigen Jahres lehnte das Obere Gericht des Bundesstaates Victoria eine Steuerbefreiung der Scientology-Gemeinschaft, wie sie andere religiöse Gruppen in Australien geniessen, ab. Und zwar mit der Begründung, dass die Scientology oder "Church of Faith", wie sich die Anfang der 1950er Jahre von dem Amerikaner L. Ron Hubbard in den USA gegründete Bewegung in Australien nennt, keine Religion, sondern "Scharlatanerie" sei. Nach Ansicht dieser Instanz ist der Glaube an (einen) Gott Voraussetzung einer Religion.

Das in der westaustralischen Hauptstadt Perth tagende Hohe Gericht von Australien hat als Revisionsinstanz diese Entscheidung nun aber verworfen und zwei neue Kriterien für Religionen festgesetzt. Das erste Charakteristikum einer Religion hat nach Ansicht der fünf Richter der "Glaube an ein übersinnliches Wesen, Ding oder Prinzip" zu sein, das zweite "die Annahme gewisser Verhaltensregeln, die diesem Glauben Wirksamkeit geben".

Der Gerichtsvorsitzende Richter Lionel Murphy, Justizminister in der früheren Labour-Regierung von Gougin Whitlam (1922-73) räumte ein, dass damit der Begriff Religion vom Hohen Gericht weitreichender ausgelegt wird, als ihn sich die meisten Australier vorstellen. In einer freien Gesellschaft sei die religiöse Diskriminierung aber nicht akzeptabel, erklärte er. Im übrigen sei es nicht Sache eines Gerichts, über die Wahrheit oder Unrichtigkeit einer Religion zu befinden.

Die Anhänger der Scientology in Australien haben seit vielen Jahren um die Anerkennung als Kirche gekämpft. Im Jahre 1963 befand eine richterliche Untersuchung im Staate Victoria, dass die Scientology "eine erhebliche moralische und gesundheitliche Gefahr für die Gesellschaft darstelle. Das führte zu einem vorübergehenden Verbot der Bewegung.

Sie prozessierte auch gegen den australischen Geheimdienst Asio wegen dessen Vorgehens gegen Mitglieder der Scientology-Gemeinschaft, die der Geheimdienst als "Sicherheitsrisiken" klassiert hatte. Das jetzige Urteil des Hohen Gerichts pries ein Sprecher der Bewegung, die die Zahl ihrer Mitglieder in Australien mit 20 000 angibt, als einen Sieg für die Religionsfreiheit und einen Schlag gegen die Psychiater und Religionsgegner". Die weitgefasste Definition des Begriffs Religion wird sehr wahrscheinlich auch andere Glaubensgemeinschaften mit kultischen Wesenszügen dazu veranlassen, sich als Kirchen eintragen zu lassen - nicht nur wegen der Steuerbefreiung, sondern auch schon wegen des ihnen dann zustehenden Rechtsschutzes vor Zensur, Beschimpfung und Störung der Religionsausübung.




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